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Warum "hmsvictory"?

Warum "hmsvictory"?

(2004)


Abb. 1

Der Name dieser Webseite bezieht sich auf die berühmte HMS VICTORY (1765), die in Portsmouth im Trockendock liegt und zu besichtigen ist. Dieses Schiff ist für mich sehr wichtig, weil mit ihm alles begann.

Vor vielen Jahren beschloss ich, ein Modell eines hölzernen Segelschiffes zu bauen, und zwar so korrekt wie möglich. Dabei stieß ich auf die VICTORY, ein noch existierendes Schiff aus der Zeit der Schlacht bei Trafalgar, wie ich erfuhr.

1989 habe ich die VICTORY als Tourist kurz besucht. Man erlaubte mir, Fotos zu machen. Und schon war ich infiziert. Als Historiker begann ich dann mit theoretischen Studien des historischen Schiffbaus, mit Schwerpunkt auf der VICTORY. Ich fand bald heraus, dass auf dem Schiff manches nicht stimmte und viele meiner Fragen nicht beantwortet werden konnten. Mehr noch, ich hatte gehofft, exakte Zeichnungen von allen Einzelheiten des Schiffes erhalten zu können, so wie man sie von der BREMER KOGGE, der MARY ROSE und der VASA bekommen kann. Offensichtlich ist für die VICTORY nichts Vergleichbares erarbeitet worden.[1] Heute ist es zu spät, dieses Versäumnis zu korrigieren, da im Zuge der Restaurierungsmaßnahmen fast alle Teile, die Trafalgar "miterlebt" haben, rücksichtslos zerhackt und weggeworfen worden sind. Während meiner wiederholten Arbeitsbesuche auf dem Schiff habe ich jedoch im Laderaum einige noch unberührte Hölzer gefunden, die ich vermessen, beschrieben, fotografiert und mit dem Kompjuter gezeichnet habe.

Inzwischen habe ich die VICTORY siebenmal besucht und wurde dabei von fast allen Leuten im Umkreis des Schiffes unterstützt. 1995 jedoch brach der sogenannte "Keeper and Curator" die bis dahin freundschaftliche Zusammenarbeit plötzlich vollständig ab. Offensichtlich befürchtete er, ich könne mein Sachwissen dazu benützen, ihm zu widersprechen, falls er Unsinniges veröffentlichte. Seine Furcht ist berechtigt.

Die Interessen sind sehr unterschiedlich:
  • der "Keeper" möchte eine VICTORY, die für Touristen hübsch anzusehen ist,
  • die Marine hat das Schiff immer als "einen Schrein der Königlichen Marine"[2] betrachtet und es entsprechend behandelt,
  • das "Victory Advisory Technical Committee" (VATC) wünscht sich, dass "die Treffen weiterhin so harmonisch und effektiv sein werden, wie das seit 1955 ... der Fall war".[3]
  • Ich habe die VICTORY immer als eine historische Quelle gesehen und es für wichtig gehalten, ihre Teile zu erfassen, bevor sie im Zuge der Restaurierung vernichtet wurden.[4] Ich habe versucht herauszufinden, welche Teile des Schiffes "alt" waren, habe sie erfasst und "zum Sprechen gebracht". Ich hatte Fragen, die VICTORY hatte Antworten. Das ist archäologisches Arbeiten.

Im Allgemeinen wird die VICTORY heute für ein Schiff gehalten, das für Wissenschaftler wertlos ist. Nur wenige scheinen zu wissen, dass sie immer noch, obwohl zum größten Teil zerstört, eine bedeutende historische Quelle ist, die uns viele Einzelheiten über die Schiffbaukunst ihrer Zeit verraten kann.
(2016: Das würde ich heute nicht mehr sagen. Durch Anpassung an die Bedürfnisse der Touristen ist das gute, alte Schiff zu einem "Walt-Disney-Dampfer" verkommen. Auch die Jubiläumsfeier 2005 hat negativ gewirkt, weil alles schnell mit dicken Farbschichten überpinselt wurde. Quelle: Berichte von Forumsmitgliedern im Internet. Die VICTORY ist heute wirklich historisch wertlos. Ich werde sie nie wieder besuchen.)

Von der VICTORY aus gelangte ich zu meinem anderen Interessengebiet. Weil ich wissen wollte, warum ihr Orlop "orlop" heißt, befand ich mich bald auf dem Weg zurück zu den Anfängen des Schiffbaus in Nordeuropa.

Anm. 1

Natürlich gibt es die eindrucksvollen Bücher von Longridge, Bugler, Goodwin und McKay, aber sie sind unzuverlässig. Leider muss das Gleiche gesagt werden über die offiziellen (unveröffentlichten) Zeichnungen, die für die Treffen des "Victory Advisory Technical Comitee" (VATC) angefertigt wurden.

Anm. 2

Anm. 3

Anm. 4

Dabei kam heraus, dass die Angaben von Bugler und anderen Autoren mit teilweise groben Fehlern behaftet sind.